Telepolis-Chef Neuber: "Zwischen allen Stühlen – und das ist gut so"

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00:00:00: 1996 ist Telepolis als eines der ersten Online-Magazine in Deutschland überhaupt an den Start gegangen.

00:00:06: 2002 bekam die Redaktion den Grimme Online Award.

00:00:10: Das ist einer der begehrtesten Auszeichnungen in der Branche.

00:00:14: Zur Begründung durch die Jury hieß es damals,

00:00:17: die Redaktion sei unbestechlich, unabhängig von den großen Verlagshäusern und fachlich auf hohem Niveau.

00:00:23: Mittlerweile gibt Telepolis also seit fast 30 Jahren immer noch angesiedelt beim Heiseverlag.

00:00:28: Aber es hat sich doch einiges geändert.

00:00:31: Seit 2022 gibt es ein eigenes redaktionelles Light-Bild.

00:00:35: Und Ende vorigen Jahres wurde eine Qualitätsoffensive verkündet,

00:00:39: die allerdings dann für einigen Wirbel gesorgt hat.

00:00:42: Maßgeblich verantwortlich für das, was in den letzten Jahren bei Telepolis passiert ist Harald Neuber.

00:00:48: Seit gut vier Jahren Telepolis Chefredakteur.

00:00:50: Der ist jetzt bei mir am Mikrofon. Hallo Harald.

00:00:52: Hi, den schönen guten Tag.

00:00:53: Ich bin Freierautor bei Telepolis.

00:00:56: Wir duzeln uns, es wäre Quatsch jetzt hier auf Sie zu machen, um irgendwie das Seriöser aussehen oder hören zu lassen.

00:01:03: Aber das heißt natürlich nicht, dass ich keine unbequem Fragen stelle und deshalb gleich mal aufs Schlimme zu anfangen.

00:01:09: Was du Qualitätsoffensive nennst, das heißt ganz konkret,

00:01:12: alle Texte, die vor 2021 auf Telepolis veröffentlicht wurden, sind gesperrt.

00:01:17: Man kann nicht mehr auf Sie zugreifen.

00:01:19: Warum dieser radikale Schritt?

00:01:22: Also die Qualitätsoffensive selber läuft schon viel länger bei Telepolis.

00:01:27: Und diese Entscheidung, die wir getroffen haben zur Depublikation der Texte oder eines großen Teils der Texte, die bei Telepolis erschienen sind,

00:01:37: das war sozusagen der letzte Schritt und uns war klar, dass es keine goldene Lösung ist.

00:01:44: Denn es sind einige wenige schwierige Texte bei Telepolis Erfiehntexte,

00:01:49: die nicht redaktionellen, allgemeingültigen redaktionellen Standards entsprechen.

00:01:54: Und wir haben in den letzten vier Jahren seit dem Wechsel der Chefredaktion, seit ich diese Redaktion übernommen habe,

00:02:00: viele Versuche gestartet und viele Initiativen, unser Bild nach außen und die Wahrnehmung von Telepolis zu verbessern.

00:02:08: Und wir haben gemerkt, das ist nicht gelingen.

00:02:10: Da sind also Dinge passiert in der Vergangenheit, die so stark nachwirken, dass wir Probleme haben, uns davon frei zu machen.

00:02:17: Und deswegen haben wir gesagt, wir möchten die aktuellen Texte, die unter der neuen Chefredaktion,

00:02:23: aber vor allem nach Entwicklung und Etablierung eines redaktionellen journalistischen Leitbildes, erschienen sind,

00:02:32: die wollen wir deutlich trennen, deutlich von dem, was vorher geschehen ist.

00:02:37: Das hat also nichts mit dem Texten pauschal zu tun, sondern das hat etwas mit der redaktionellen Leitung zu tun.

00:02:43: Aber ich würde gerne gleich mal dazwischen fragen, wenn man irgendeine Zeitung nimmt, die es schon seit 50 Jahren gibt,

00:02:48: da findet man natürlich in den Archiven auch Dinge, wo die Verantwortlichen sagen würden,

00:02:52: das würden wir heute nie wieder so drucken.

00:02:54: Das sind Dinge, die uns nicht gefallen, aber die gehören ja zur Geschichte dazu.

00:02:58: Und man könnte ja auch sagen, wir kennzeichnen das und sagen, hier haben sich die Ansichten deutlich gewandelt,

00:03:05: dazu würden wir jetzt als Redaktion nicht mehr stehen, aber sie gehören zu unserer Geschichte.

00:03:09: Das ist richtig, das Problem mit diesen Texten, die bei Telepolis erschienen sind,

00:03:15: ich sage mal, mit den Problemtexten ist, das ist keine Meinungsfrage ist,

00:03:19: das ist keine Ansicht eines Zeitgeists ist, der sich ändert,

00:03:23: sondern hier wurden vielfach, muss man sagen, es waren keine Einzelfälle also,

00:03:30: grundsätzliche redaktionelle Standards missachtet.

00:03:34: Und es sind Sachen erschienen, die ich sage, es noch einmal so stark nachwirken,

00:03:39: dass wir uns davon nicht frei machen können und wir haben ja einiges versucht.

00:03:43: Also wir haben im Vorfeld schon vor der Depublikation,

00:03:46: haben wir ein Disclaimer vor die Texte gesetzt, aber wir haben gemerkt,

00:03:50: da drehen sich die Autorlohlern, Teil der Autorenschaften auf,

00:03:53: in der Außenwahrnehmung ändert das nichts.

00:03:55: Und ich möchte noch einmal dazu sagen, es hat natürlich auch was mit dem Zustand der Gesellschaft,

00:04:00: ihrer politischen und ja man kann auch sagen medialen Verfasstheit zu tun,

00:04:03: denn wir erleben seit 10, 15 Jahren eine starke Polarisierung und eine Segmentierung der Gesellschaft.

00:04:11: Das heißt, wir sehen das schön bei den Medien, man sagt ja immer, es gibt Alternativmedien

00:04:15: und es gibt Mainstreammedien und das ist ein grundsätzliches Problem,

00:04:19: denn beide begehen Fehler, das heißt, die Trend-Idea kann nur dort verlaufen,

00:04:25: wo der Jollalismus anfängt oder endet.

00:04:28: Wir haben jetzt relativ allgemein gesprochen, das ist umgesagt, es gibt Artikel,

00:04:31: es gibt bestimmte Dinge, aber das müsste man vielleicht doch noch mal konkret benennen.

00:04:35: Was für Themen, was für Artikel sind das, die dich mit Blick auf die Vergangenheit

00:04:39: zu solch radikalen Schritten veranlassen?

00:04:42: Also ich möchte jetzt keinen Namen nennen, wer das publicistische Geschehen darauf nichts

00:04:45: noch verfolgt hat, der wird eh die Rückschlüsse ziehen können, aber ich möchte dir ein Beispiel geben.

00:04:50: Ein Beispiel, die sogenannte Bio-Waffen-Laborthese, Ukraine.

00:04:54: Also es gab eine Aussage von der US-Politikern Victoria Newland,

00:04:59: Aussenpolitikerin im US-Senat, hergesagt, es gibt in der Ukraine Biolabore,

00:05:06: die wir zusammen mit den Ukrainern aufgebaut haben, die dürfen den Russen nicht in die Hände fallen.

00:05:11: Es gab auf der anderen Seite auf einmal eine These, die lautete,

00:05:15: in der Ukraine werden geheime Bio-Waffen-Labore entwickelt, und nicht nur das,

00:05:21: sondern dort werden Kampfstoffe entwickelt, die nur Russen töten.

00:05:25: Die Vielfach nicht haltbare These, und dazwischen ist eben überhaupt keine Begründung.

00:05:30: Und dieses Schema sehen wir immer wieder, und das ist das, was ja immer wieder diskutiert wird, als Verschwörungsmütter.

00:05:37: Das heißt, es gibt eine These, es gibt eine Einzelbeobachtung auf der einen Seite,

00:05:41: eine These auf der anderen Seite, oft viel komplexer, und dazwischen gibt es viele grundsätzliche,

00:05:47: problematische Dinge und Fehler, die gemacht werden.

00:05:50: Also es werden Dinge, in dem Sinn der These, die am Ende bestätigt werden soll,

00:05:54: umgedeutet, umgeschrieben, falsch interpretiert.

00:05:57: Und das kann man nicht einfach stehen lassen.

00:06:00: Es gibt ja auch eine Verantwortung.

00:06:02: Wir haben das auch bei der Corona-Pandemie, haben wir das gehabt.

00:06:06: Bei generell in der Gesundheitspolitik gibt es unglaublich viele problematische Sachen,

00:06:12: die publiziert werden, und ich möchte das als Chefredakteur nicht verantworten.

00:06:16: Ich möchte dazu sagen, dass wir die Texte, und das war von vornherein sogar geplant,

00:06:21: dass wir diese Texte wieder online stellen werden.

00:06:23: Ich möchte aber, dass es ganz klar getrennt ist, was nach, auf der Basis des aktuellen Redaktionellen

00:06:30: und journalistischen Leitbildes passiert, das möchte ich klar getrennt haben, von der Texten der Vergangenheit.

00:06:35: Also du sagst, das soll wieder in die Öffentlichkeit kommen, dann wäre die Frage, wie geht man dann mit diesen Dingen um?

00:06:40: Also du hast gerade geschildert, die Sache mit der Nulandgeschichte, das könnte man ja nochmal aufgreifen

00:06:47: und dann nochmal transparent machen, was der reale Hintergrund war, was Fehlinterpretationen waren.

00:06:52: Das ist ja auch heute vielleicht sogar noch ein spannendes Thema.

00:06:55: Ja sicher, aber am Ende des Tages müssen wir auch pragmatisch mit dem ganzen Thema umgehen.

00:07:00: Wir reden über 70.000 Texte.

00:07:03: Das sind jetzt viele von Tagesaktuellen, Meldungen, nicht mehr wirklich relevant.

00:07:08: Aber das ist wirklich ein Problem.

00:07:10: Wir sind eine kleine Redaktion, wir müssen das tägliche Geschäft aufrecht erhalten.

00:07:14: Wir können jetzt nicht tausende oder sogar 10.000 der Texte sichten.

00:07:18: Wir werden segenifikant ein Teil dieser Beiträge wieder in unser aktuelles Archiv sozusagen übernehmen.

00:07:26: Wir sind gerade dabei eine Methode zu entwickeln, dann werden wir dann nach Themenbereichen vorgehen

00:07:32: oder bestimmte Autoren, die wirklich bis heute auch eine hohe Relevanz haben.

00:07:37: Ich finde es gut, dass du sagst, natürlich müssen wir auch diese Diskussion weiterführen.

00:07:41: Ja, da lässt sich ja viel klar verdeutlichen auch, was in dieser Gesellschaft, in der Politik und der Medien falsch läuft.

00:07:48: Und ich habe eben gesagt, ich möchte ja gar nicht diese Frontstellung zwischen Mainstream und Alternativmedien.

00:07:54: Verstehst du das? Weißt du was das bedeutet?

00:07:57: Nee, also ich kann mir vorstellen, was man damit zum Ausdruck bringen möchte.

00:08:01: Aber die Frage ist ja, was ist das echte, was ist die Alternative?

00:08:05: Mittlerweile gibt es viele Leute, die die sogenannten Mainstream-Medien überhaupt nicht mehr verfolgen.

00:08:10: Also ist das dann noch der Mainstream? Aber wenn man sich die Quoten und die Auflagen der Zeitungen anschaut,

00:08:15: da gibt es natürlich noch die Großen und die Kleineren, aber vieles vermischt sich.

00:08:18: Ich bin auch der Meinung, es geht um guten Journalismus. Wie man das Ding am Ende nennt, ist mir auch ganz egal.

00:08:23: Guter Journalismus, das lässt sich ja an den Wesensmerkmalen nachweisen, ob man gut ist oder ob man nicht gut ist.

00:08:30: Aber eben, das ist auch die Frage, wie man mit eigenen Versäumnissen oder mit schwierigen Themen umgeht.

00:08:35: Du sagst, eine kleine Redaktion, klar, da kann man manches nicht leisten, aber wie soll es jetzt praktisch bei Telepolis passieren?

00:08:40: Wie geht er jetzt ran?

00:08:42: Wir prüfen im Moment, wie wir diesen großen Artikelbestand wieder online nehmen.

00:08:46: Ich hätte mir gewünscht, dass wir es wirklich getrennt auch von Telepolis machen, ist aber technisch nicht machbar.

00:08:52: Also da muss man auch irgendwann realistisch sein.

00:08:55: Also werden wir sozusagen auf unseren Domain wieder veröffentlichen.

00:08:58: Und ganz ehrlich, wer meinen Artikel, den ich dazu geschrieben habe, aufmerksam gelesen hat,

00:09:03: der muss auch gesehen haben, dass da vorläufig und relativierung drin waren.

00:09:08: Wir hatten nie vor, dieser Artikel sozusagen zu verbannen.

00:09:11: Da war der wilde Ding unterwegs.

00:09:14: Im Netz von Bücherverbrennungen war die Rede von Orwell.

00:09:17: Also ein Buch, das sich verbrennt, ist tatsächlich physisch weg.

00:09:20: Dieser Artikel, wie gesagt, haben wir nur getrennt sozusagen von den seit 2001/2002-Jährigen-Texten.

00:09:28: Und natürlich muss man das alles online stellen.

00:09:31: Das ist auch wichtig, auch die Fehler, die gemacht wurden, zu dokumentieren.

00:09:34: Und ganz ehrlich, das haben wir auch im Heiseverlag diskutiert.

00:09:40: Und wir sind gemeinsam zu dem Schluss gekommen, dass wir natürlich auch das, was in der Vergangenheit geschehen ist, dazu müssen wir stehen.

00:09:48: Das muss man transparent machen.

00:09:50: Da bin ich ein ganz großer Befürworter von.

00:09:52: Aber wir müssen auch kompromisslos den aktuellen Weg weitergehen.

00:09:57: Wir haben eben über Mainstream und Alternativmedien geredet.

00:10:00: Wenn in einem Alternativmedium oder einem Medium, das als solches verstanden wird, diese Biowaffenlabor-Tese aufgestellt wird.

00:10:09: Oder wenn auf der Seite tagesschau.de einem öffentlich-rechtlichen Medium fälschlicherweise mutmaßlich auf Basis eines Übersetzungsfesers von Sprengstoff-Inflantenformen an der Nordstream-Zwei-Pipeline.

00:10:23: Die Rede ist, ist das beides das gleiche Problem?

00:10:25: Das ist beides ein Verfehlen.

00:10:27: Und ich vermute, dass in beiden Fällen die Autoren eine bestimmte politisch motivierte These in die Welt setzen wollten.

00:10:33: Welche Reaktionen gab es denn auf den Schritt, den du jetzt gerade nochmal erklärt hast?

00:10:38: Von den Autoren, von Betroffenen, haben sich da welche beklagt?

00:10:41: Gibt es da auch rechtliche Schritte, die da erwogen werden?

00:10:44: Also es gab in der Tat einen kleinen Teil von ehemaligen Autoren, die recht ungehalten waren.

00:10:52: Es gab ein paar Publikationen im Netz, aber grundsätzlich war das für uns nicht wirklich relevant.

00:10:58: Wir nehmen jede Kritik ernst.

00:11:01: Wir gucken uns das an, aber weißt du, wenn dann auf X, jemals Twitter, auf X geschrieben wird, der Neubauer, der ist ja mutmaßlich von der CIA,

00:11:11: kann ich das nicht ernst nehmen.

00:11:13: Also ich bin wirklich gerne bereit und ich habe das auch gemacht, bei uns im Leser-Forum mit Lesern und mit Autoren zu diskutieren.

00:11:20: Ich stelle gerne unsere Bewegründe und auch unser Vorgehen, dass wir auch tatsächlich in Echtzeit entwickeln müssen, weil sowas hat noch niemand gemacht.

00:11:28: Also es wurden immer Texte bald offline genommen, dass ja auch eine Debatte unter Medienexperten, wie man mit Altenhalt in dem Netz umgeht.

00:11:36: Aber diese Depublikation oder Republikation und die Auseinandersetzung mit den Inhalten und mit dem journalistisch verantwortungsvollen Umgang mit Dingen, die da in die Welt gesetzt wurden,

00:11:48: das hat noch niemand gemacht und ich tendiere dazu, dass wir das auch dokumentieren bei uns auf der Seite.

00:11:53: Du hast gerade erwähnt – Kommentare, dies …

00:11:55: ja bei Telepolis immer gibt im Forum, aber bei deinem Erklärstück zur

00:12:00: Depublikation war das Forum abgeschaltet. Da konnte man also nicht diskutieren.

00:12:04: Hast du befürchtet, dass du da überschwemmt wirst mit Vorhaltungen?

00:12:09: Ja, natürlich und so war es ja auch. Also das hat dann den anderen vorhin stattgefunden

00:12:13: und ich wollte tatsächlich, dass die Argumente im voller Grund stehen und

00:12:18: dass da jetzt nicht, zwar tatsächlich zu erwarten, wir wissen ja, wir bei Heise

00:12:22: wissen ja, welcher Autorler geschrieben haben und welcher Autor und

00:12:26: welche Inhalte es geht und es war zu erwarten und da hatte ich schlicht

00:12:30: wer keine Lust darauf. Wir werden übrigens auch dieses

00:12:32: Leser-Forum, das wir bei Telepolis haben, einstrengen müssen und da steht eine

00:12:38: ähnliche Erwägung hinter, nämlich dass wir gute Debatten haben wollen.

00:12:42: Wir wollen inhaltliche Debatten haben, wir wollen gewinnbringende Informationen

00:12:47: von Leserinnen und Lesern haben. Wir haben aber nicht genug personelle

00:12:52: Möglichkeiten, die Debatten werden wir die überall öffnen, hinreichend zu

00:12:57: moderieren. Ich habe mir das jetzt ein paar Jahre angeguckt und das sind ja auch

00:13:01: Erkenntnisse, die reifen und nach diesen vier Jahren haben wir dann gesagt,

00:13:05: nee es reicht für ein, zwei Artikel pro Tag, aber dort wollen wir dann eine gute

00:13:10: Debatte tatsächlich haben. Aber da muss ich natürlich mal einhaken, was ist eine gute

00:13:14: Debatte, also wer entscheidet das? Sitz du als Chef-Verdakteur dann und sagst, der

00:13:18: Kommentar gefällt mir, der ist gut, der ist stichhaltig, auch der gefällt mir nicht.

00:13:21: Welche Kriterien soll es denn da geben? Es geht überhaupt nicht um Meinung und

00:13:26: um Ansichten. Da muss man auch immer stark darauf achten, wenn man moderiert, also

00:13:30: wir diskutieren das auch zwischen Redaktion und Moderatoren-Team. Das sind

00:13:35: Regeln, die auch in jedem anderen professionellen Forum gelten, also

00:13:38: Leute nicht beleidigen, keine diskriminierenden Inhalte, keine

00:13:42: fehldarstellungen, keine fehlinterpretation, du bist ja von

00:13:47: Russland bezahlt, du bist ja von USA bezahlt. Das ist Quatsch.

00:13:53: Am Anfang unseres Gesprächs ist gesagt, wir erleben eine unglaubliche

00:13:57: Polarisierung in der Gesellschaft, wir sind jetzt kurz vor der Vorgehensung im

00:14:01: Bundestagswahl, also auch in der Politik und in den Medien und das müssen wir

00:14:06: durchbrechen tatsächlich und das kann man nur durchbrechen, wenn man diese

00:14:10: Pöbler und die Provokateure von allen Seiten einhegt und ich glaube tatsächlich,

00:14:16: dass sie von allen Seiten kommen, also die kommen von Verschwörungsmützeln,

00:14:20: Anhängern genauso wie von Grünen und AfD-Leuten. Man redet ja nicht mehr

00:14:25: miteinander und das ist auch etwas, was wir erreichen wollen.

00:14:28: Lass uns vielleicht noch ein bisschen über die Arbeitsweise bei Telepolis

00:14:31: sprechen. 1996 ging es los, ich habe es schon gesagt, da war das fast noch ein

00:14:36: Alleinstellungsmerkmal, da gab es ganz wenige solche Online-Magazine, mittlerweile

00:14:39: ist der Markt fast unüberschaubar geworden. Es gibt das Althergebrachte, sag ich mal,

00:14:45: die Fernsehsender, die Nachrichtenagenturen, die großen Zeitungen, aber auch auf dem

00:14:49: Online-Markt, wer sich informieren will, der sitzt manchmal ratlos vor dem

00:14:52: Rechner, wenn er sich nicht vorher schon festgelegt hat, wem er vertraut. Was ist

00:14:56: das Besondere an Telepolis?

00:14:58: Das ist witzig, die Frage haben wir uns auch gestellt und wir sind zum Ergebnis

00:15:03: gekommen, tatsächlich, dass Telepolis von Anfang an, also von 1996 an,

00:15:08: immer ein Charakteristikum hat und das war, Dinge zu thematisieren und zu

00:15:14: diskutieren, die woanders keine Beachtung finden. Und das haben wir noch mal

00:15:19: ein bisschen überarbeitet und haben das im Leitbild auch festgeschrieben, da

00:15:24: steht dann drin, ich habe die genaue Formulierung jetzt nicht im Kopf, wir

00:15:26: schauen auf die blinden Flecken in der Berichterstattung.

00:15:29: Und da sind ja viele Dinge, also vor dem Ukraine-Krieg über Geopolitik, neben

00:15:35: wie hier wirklich war, was im asiatischen Raum diskutiert wird oder

00:15:40: interpretieren wird nur und sehen nur durch die europäische Brille,

00:15:43: Sven hat wahnsinnig viele Dinge ausgegrenzt und auch das finde ich

00:15:47: tatsächlich ein echtes Problem unserer Zeit. Wie konnten wir denn in diese Lage

00:15:53: in der Ukraine in Europa kommen, also als Europa, als europäische Union und als

00:15:58: Europäer? Das ging noch nur, weil diejenigen, die realistisch waren, ausgegrenzt

00:16:03: wurden oder nicht eine solche mediale Plattform geboten bekommen haben, wie die

00:16:09: jenigen, die ein militärisches Vorgehen begrüßt haben. Und das war zum Beispiel

00:16:13: so ein Punkt, den wir von Anfang an immer mit dem Versuch der sachlichen

00:16:17: Darstellung und des Beförderungs von Diskussionen, haben wir uns immer verfolgt.

00:16:21: Und na ja, wir sehen, was jetzt gerade passiert. Noch mal zur Arbeitsweise, wie

00:16:26: läuft das konkret? Also wer entscheidet, welche Themen reinkommen?

00:16:29: An sagen wir einem ganz konkreten Tag und wer schaut sich dann die Produkte

00:16:35: noch mal an? Gehst du als Chefadaktör da noch mal drüber, nimmst Kontakt mit den

00:16:39: Autoren auf oder bleibt das alles so, wie es die Autoren anbieten?

00:16:42: Nein, auf keinen Fall, also das geht gar nicht. Wir haben Autoren, es reicht von

00:16:46: professionellen Journalisten, also ausgebildeten Journalisten bis zu

00:16:51: Blockautoren oder auch Aktivisten. Es ist ja auch gerechtfertigt, dass man

00:16:55: Gastkommentare reinnimmt, dass man da eben entsprechend kennt, sich machen.

00:16:59: Natürlich gucken wir uns aber alle Texte an. Wir würden es gerne mehr machen, ganz

00:17:03: ehrlich. Wir sind vier bzw. fünf Leute in der Redaktion mit mir. Wir können nicht

00:17:09: alle Texte zwei, drei mal lesen, aber wir achten eben darauf, dass die

00:17:14: grundsätzlichen Standards eingehalten werden. Das heißt, wenn ein

00:17:18: kontroversorpolitischer Fall dargestellt wird, dann kann man natürlich den auf

00:17:23: eine bestimmte Weise interpretieren oder eine bestimmte Message transportieren,

00:17:27: aber man muss herbleiben. Das heißt, so wird da alle Seiten dargestellt werden.

00:17:30: Ich hatte gestern spät ein Artikel, da ging es um ein Flussnahme der Politik auf

00:17:35: Universitäten und was wirklich ein Problem ist, im Fall der Naoss-Debatte vor

00:17:41: allem. Und dann wurde ein Streitfall erwähnt, dass ein Wissenschaftler

00:17:46: entlastet worden bei einer wissenschaftlichen Gesellschaft. Aber es wurde

00:17:50: im Einsatz behandelt und die Seiten wurden gar nicht richtig dargestellt.

00:17:53: Das finde ich ganz wichtig. Wie hat diese Gesellschaft das begründet? Auf welcher

00:17:59: rechtlichen Basis auch? Mit dieser Information braucht man doch, um sich

00:18:02: hinreichend mit dem Thema auseinanderzusetzen. Alles andere ist, als

00:18:06: nicht Agitation und Propaganda. Da hage ich gleich nochmal ein.

00:18:09: Achtest du auf Ausgewogenheit? Also, dass, wenn eine bestimmte Meinung

00:18:14: präsentiert wird, dann auch mal jemand zum Zugekommen, der vielleicht das

00:18:17: Gegenteil behauptet oder die Sache ganz anders sieht? Nein, nein, nein, das ist

00:18:22: ein ganz wichtiger Unterschied. Ich finde es wahnsinnig bequem, man könnte

00:18:27: sagen, feige auch, wenn immer diese Pro-Kontra-Kolumne kommen. Das ist ja mit

00:18:31: unter so, dass in der Redaktion pro und kontra willkürlich verteilt wird. Also es

00:18:35: hat gar nichts mit der Meinung der Leute zu tun. Das ist doch nicht ehrlich.

00:18:38: Ich habe kein Problem damit und ich habe eben die Ukraineberichterstattung

00:18:42: gelernt. Ich habe kein Problem damit, hart in Debatten reinzugehen. Aber man muss

00:18:47: sauber bleiben. Das heißt, dass wir auch Texte überarbeiten. Wir haben fast

00:18:51: täglich Fälle, bei denen wir vorhin Kommentare in der Redaktion auch

00:18:56: aufgreifen und diskutieren. Gestern gab es einen Fall, da ist aus einer

00:19:00: asiatischen Zeitung eine Darstellung bestimmter militärische Erfolge der

00:19:06: Russen in der Ukraine übernommen worden. Diese Zeitung hat aber schon ein

00:19:11: Fehler gemacht bei der Interpretation der Erstquelle. Und sowas müssen wir uns

00:19:14: auch ansehen und eine Sache, die wir eingeführt haben, ist, dass wir

00:19:18: Fehler transparent machen. Und zwar richtig transparent. Also ich schreibe nicht.

00:19:22: Ja, da wurde irgendwas verändert in dem Text. Sondern wir schreiben, hier stand

00:19:27: dieser oder jeder Fehler drin und wir haben ihn so und so korrigiert. Das steht

00:19:32: unter dem jeweiligen Artikel und das steht auch nochmal auf einer

00:19:35: statischen Seite, auf einer Dokumentationsseite.

00:19:38: Telepolis ist ein Produkt von heise Medien. Wie unabhängig bist du als

00:19:43: Chefadakteur vom Herausgeber und wie war das Ganze finanziert? Also es ist das

00:19:49: ganz große Verdienst von Ansgar Heise, von unserem Verleger, dass er Telepolis

00:19:56: über so viele Jahre finanziert hat. Und das war von Anfang an defizitär.

00:20:02: Einer meiner Aufträge war, dass ich diese Redaktion, dieses Projekt,

00:20:08: wahrnommen habe, die Arbeit redaktionell zu überprüfen und zu

00:20:13: professionellisieren und auf der anderen Seite aber natürlich auch die

00:20:17: unternehmerische Seite werden zu schauen. Das heißt, wir müssen auch gucken,

00:20:20: dass wir aus dieser massiven Verlustzone rauskommen.

00:20:24: Das ist doch auch eine Verantwortung. Ich bin der feste Überzeugung,

00:20:29: dass Telepolis eine wichtige Rolle spielt, weil wir uns zwischen allen

00:20:33: Nagern positionieren. Zwischen, wir haben es eben genannt, Mainstream und

00:20:38: Alternativmedien oder Leitmedien und freie Medien, wie auch immer,

00:20:43: professionelle oder nicht professionelle Medien. Dann ist das keine

00:20:46: überquemer Position zwischen den Stühlen, nicht metaphorisch und auch nicht

00:20:50: wirklich. Es ist aber wichtig, dass diese Position eingenommen wird, damit wir

00:20:55: eben diese Sprachlosigkeit zwischen diesen ganzen Echo-Kammern, die bei uns

00:20:59: existieren, durchbrechen. Ich muss aber trotzdem noch mal konkret

00:21:03: nachfangen. Also wie läuft das? Interessiert sich der Herausgeber für

00:21:06: Telepolis Inhalte? Ist ja auch mal sauer, ruft er an, nimmt der Einfluss auf

00:21:11: Inhalte? Nein, Einfluss nicht. Aber das macht er tatsächlich aber, weil ich es will.

00:21:16: Also Telepolis war, bis ich die Redaktion übernommen habe, auch völlig

00:21:21: isoliert vom Haus. Also es hat auch damit zu tun gehabt, dass die

00:21:24: verschiedenen Redakteure, auch der damalige Chefredakteur Florian Rötzer, nicht

00:21:29: in Hannover waren, sondern Florian lebt in München, andere Kollege auch und die

00:21:35: Leute waren in der ganzen Republik verteilt und ich habe tatsächlich dieses

00:21:40: Projekt stärker wieder an den Verlag herangeführt, was ich wichtig finde.

00:21:45: Und das ist auch nicht bequem. Also der heisse Verlag gibt ja sonst keine

00:21:49: politischen Medien heraus, ein IT Verlag, glaubt mir dort als in diesem Umfeld mit

00:21:55: einer politischen Redaktion zu arbeiten. Das sorgt für Debatten, aber das ist auch

00:21:59: gut. Man braucht doch auch dieses Korrektiv. Und es gibt keine doofen

00:22:04: Meinung oder so. Ist alles legitim. Denn eine Frage, die im Haus gestellt wird,

00:22:08: die wird im Zweifel auch in der Leserschaft und in dem Teil der Bevölkerung, die wir

00:22:13: erreichen wollen, gestellt. Aber nochmal ganz konkret nachgefragt, wer hat was

00:22:18: Inhalte angeht, das letzte Wort? Bist du das oder ist das im Zweifelsfall der

00:22:21: Verleger? Also ich weiß nicht, wie es rechtlich ist, ja, aber die Jure, aber die

00:22:25: Faktor habe ich das letzte Wort und das ist auch wichtig. Weil wir tatsächlich

00:22:30: korrekt hier die Arbeit entwickeln müssen. Das hat keinen Sinn, wenn da jetzt

00:22:33: verschiedene Leute drin rumfuschen und Einfluss nehmen. Nein, nein, wir diskutieren

00:22:38: natürlich und noch einmal, das ist ja tatsächlich wichtig, dass so ein

00:22:42: Projekt wie Telepolis gemeinsam entwickelt wird, sowohl journalistisch als auch

00:22:47: auch kaufbähnliche Unternehmer. Wir haben jetzt viel über den Istzustand

00:22:51: gesprochen, aber die Medienbranche verändert sich, rasch gedruckte

00:22:54: Zeitungen verschwinden mehr und mehr vom Markt, der öffentlich-rechtliche

00:22:57: Rundfunk steht unter hohem Druck. Wie ist die Zukunft für Telepolis? Wie schätzt

00:23:03: du sein? Grandios! Wir werden diesen Kurs, den wir eingeschlagen haben vor vier

00:23:09: Jahren konsequent weiterverfolgen und wir werden weiterhin das Medium sein, das

00:23:18: sich nicht bestimmten Lagern zuordnet, sondern das immer von einer

00:23:23: Octorialen, von einer übergeordneten Ebene das Geschehen analysieren und

00:23:29: Zusatzinformationen bringen. Denn mehr können wir, also es würde ja keinen Sinn

00:23:33: machen, wenn wir irgendwie andere Medien hinterherrennen, vor allem

00:23:35: große Redaktionen, also tagespolitische Berichterstattung, machen wir nicht.

00:23:39: Aber wenn du die FAZ liest und weiß ich nicht, die TATS, musste am Ende immer

00:23:44: sagen, das ist mein Ziel, ich schau nochmal auf Telepolis, die haben

00:23:48: Stimmt noch mal einen anderen Blick darauf.

00:23:49: Dankeschön Harald!

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